Mit einer besonderen Adaption von Ralf Benatzkys Operette „Die drei Musketiere“ präsentierte Regisseur Georg Schütky ein ebenso humorvolles wie berührendes Musiktheatererlebnis, das bewusst für ein diverses und inklusives Publikum konzipiert wurde. Maßgeblich geprägt wurde die Produktion durch die Zusammenarbeit von Ensemblemitgliedern der Oper Graz mit den Schauspieler:innen der Theaterakademie LebensGroß.
von Patrick Zündel
Zwischen 16. und 25. April 2026 verwandelte sich die Studiobühne der Oper Graz in einen Ort gelebter Inklusion. Georg Schütky, der bereits mit seiner Inszenierung der Beggars Opera in Graz überzeugte, bringt Benatzkys Operette mit viel Gespür für Rhythmus, Humor und theatrale Feinheiten auf die Bühne. Obwohl die Handlung zu Zeiten König Ludwigs XIV angesiedelt ist, erlaubt sich die Inszenierung immer wieder augenzwinkernde Gegenwartsbezüge und bricht bewusst mit der historischen Strenge des Stoffes. Dadurch entsteht eine lebendige Mischung aus klassischem Operettencharme, musikalischer Leichtigkeit und pointierter Comedy, ohne dass der dramaturgische Kern der Geschichte verloren geht.
Im Zentrum stehen die titelgebenden drei Musketiere D’Artagnan, Aramis und Portos, die gegen die Intrigen einer machthungrigen Kardinälin kämpfen und das Wohl von Königin Anna, ihres Sohnes, König Ludwig, und des französischen Volkes verteidigen sollen. Zwischen degenblitzenden Fechtduellen, Liebeswirren und politischen Ränkespielen entfaltet sich eine temporeiche Handlung, die von der eigens adaptierten Musik Benatzkys getragen wird. Die Operette zählt zu den frühen Revuewerken des Komponisten und entstand noch vor dem berühmten „Im weißen Rößl“ in Zusammenarbeit mit Erik Charell.
Besonders beeindruckend ist jedoch weniger die Handlung selbst als vielmehr das Zusammenspiel des Ensembles: Sänger:innen der Oper Graz und Schauspieler:innen der Theaterakademie LebensGroß begegnen einander auf Augenhöhe und schaffen gemeinsam eine Bühnenrealität, in der Unterschiede keine Rolle mehr spielen. Was zunächst wie ein ambitioniertes inklusives Experiment wirken könnte, entwickelt sich rasch zu einer bemerkenswert selbstverständlichen Zusammenarbeit. Niemand wird ausgestellt, niemand wirkt wie ein Fremdkörper – vielmehr verschmelzen die unterschiedlichen künstlerischen Hintergründe zu einem harmonischen Ganzen. Gerade darin liegt die besondere Stärke der Produktion. Sie macht Inklusion nicht bloß zum Thema, sondern lebt sie sichtbar vor. Während sich Opernsänger:innen in einem traditionsreichen und leistungsorientierten Umfeld behaupten müssen, kämpfen Menschen mit Beeinträchtigungen oft noch immer um Sichtbarkeit und gleichberechtigte Teilhabe im Kulturbetrieb. Auf der Bühne jedoch verlieren diese gesellschaftlichen Zuschreibungen ihre Bedeutung. Dort zählt allein die Präsenz, die Spielfreude und das gemeinsame Erzählen.
Auch die Wahl der Studiobühne erweist sich als gelungen. Die barrierefreie Zugänglichkeit ermöglicht Menschen mit unterschiedlichsten Bedürfnissen einen unkomplizierten Theaterbesuch und unterstreicht den inklusiven Anspruch der Produktion zusätzlich. Damit wird das berühmte Motto der drei Musketiere: „Einer für alle, alle für einen“ nicht nur erzählt, sondern konsequent umgesetzt.
Fazit:
Mit „Die drei Musketiere“ gelingt der Oper Graz eine ebenso unterhaltsame wie gesellschaftlich relevante Produktion. Georg Schütky verbindet Operette, Humor und gelebte Inklusion zu einem Abend, der weit über klassische Musiktheaterunterhaltung hinausgeht. Eine Inszenierung, die zeigt, wie selbstverständlich Vielfalt auf der Bühne sein kann und hoffentlich nicht die letzte ihrer Art bleibt.
