Der zerbrochne Krug

Das Stück „Der zerbrochne Krug“ von Heinrich von Kleist wurde von 2. bis 9. Juli 2026 am Färberplatz in Graz gezeigt. Es spielten Studierende der Kunstuniversität und Darsteller:innen der Theaterakademie von LebensGroß. Armin, Katja und Isa von der InTaKT Redaktion haben ihre Eindrücke beschrieben.

Mir hat gut gefallen, dass das Stück Bezug zur heutigen Zeit genommen hat. Es wurden Zahlen und Informationen von Angriffen und Übergriffen auf Frauen in Österreich eingebaut.
Den Spielort fand ich sehr schön. Unter Bäumen im Freien ein Stück zu sehen, ist eher ungewöhnlich. Dadurch blieben Spaziergänger:innen stehen, die das Stück ebenfalls angeschaut haben. Das Bühnenbild war einfach gehalten, bot aber viele Möglichkeiten.
Es spielten Studierende der Kunstuniversität und Darsteller:innen der Theaterakademie von LebensGroß. Das Zusammenspiel wirkte auf mich sehr harmonisch und gelungen.
Text: Isa

Die rhythmische Begleitung mit Schlag-Instrumenten hat mir gut gefallen. Es kam Akrobatik vor. Die fand ich teilweise etwas stürmisch. Die Schauspieler haben miteinander geredet, als plötzlich der Sessel von einer Dame umfiel und sie am Boden lag, es hatten sich einige Leute erschreckt. Das Bühnenbild war gut gewesen.
Die Schauspieler:innen Robert(a) Nemes und Agnes Zenz hatten im Lustspiel eine ruhige Stimme. Das fand ich gut.
Text: Katja

Ich fand das Stück gut gelungen. Das Bühnen-Bild war passend zu der Situation, die gezeigt wurde. Die Kleidung war eher etwas fraglich, ob sie dann auch wirklich zur Situation passt. Und es war etwas zu laut für meinen Geschmack, man könnte eventuell Wut und Aggression auch mit mehr Körpersprache, Gestikulieren und etwas weniger über die Stimme zeigen. Aber sonst ein ganz guter Auftritt von allen Beteiligten.
Text: Armin

 

 

Zieglinde und der Frosch – zu Besuch bei Sunny Lila und die Donnerbande

Unsere Redakteurin Elisa Kitzberger hat das Konzert von Sunny Lila und die Donnerbande besucht. Das Konzert fand am 21. Juni 2026 in der Postgarage in Graz statt. Es gab Rock- und Metalmusik für Kinder und Familien. Popella hat das Konzert veranstaltet, zusammen mit dem InTaKT Festival und dem Gehörlosenverband Steiermark.

Text: Elisa Kitzberger

Ich habe „Sunny Lila und die Donnerbande“ in der Postgarage besucht. Die Band behandelte viele verschiedene Themen wie Tiere, Gefühle, Wetter und Vitamine. Besonders cool fand ich, dass die gesamte Show im Rock’n’Roll-Stil gestaltet war. Die Musik war energiegeladen und mitreißend und sorgte für eine tolle Stimmung.

Die Kinder hatten sichtlich Spaß und wurden aktiv in das Konzert eingebunden. Besonders gefallen haben mir auch Zieglinde und der Frosch, die Maskottchen der Show. Sie sorgten für eine lustige und lebendige Atmosphäre und waren für viele Kinder ein besonderes Highlight.

Ein großer Pluspunkt war die Gebärdensprachdolmetschung. Außerdem wurde das Konzert in Einfacher Sprache gestaltet, sodass möglichst viele Menschen der Geschichte gut folgen konnten. Das fand ich sehr gelungen. Die Einfache Sprache war allerdings nicht durchgehend gendergerecht formuliert. Aus meiner Sicht könnte man das künftig noch stärker berücksichtigen.

Die Veranstaltung machte insgesamt einen inklusiven Eindruck. Da das Konzert in der Postgarage stattfand, sind manche Aspekte der Barrierefreiheit von den räumlichen Gegebenheiten abhängig. Ich hätte mir dennoch gewünscht, dass der Zugang zur Tribüne für Rollstuhlfahrer*innen noch einfacher möglich ist.

Fazit: „Sunny Lila und die Donnerbande“ boten ein kreatives, energiegeladenes und kindgerechtes Rock’n’Roll-Konzert mit wichtigen Themen und viel Spaß für die Kinder. Besonders hervorzuheben sind die Gebärdensprachdolmetschung, die Einfache Sprache, die tolle Stimmung sowie Zieglinde und der Frosch als sympathische Begleiter der Show. Insgesamt hat mir die Veranstaltung sehr gut gefallen.

 

 

Leichter Gesang – ein Hauch von Orwell auf der Bühne

Am 26. Mai 2026 eröffnete „Leichter Gesang“ als Kooperation des Deutschen Theaters mit dem inklusiven Theater RambaZamba unter der Regie von FX Mayr das diesjährige Dramatiker:innen-Festival im Grazer Orpheum. Eine Herausforderung.

von Patrick Zündel

George Orwell muss man nicht gelesen haben, um zumindest eine vage Vorstellung davon zu besitzen, was mit seinem berühmten Neusprech gemeint ist: eine Sprache, reduziert, vereinfacht, kontrolliert und gerade dadurch seltsam verstörend. Ganz so weit geht Nele Stuhlers Theatertext „Leichter Gesang“ zwar nicht, doch gewisse Parallelen drängen sich beim Zuschauen unweigerlich auf, denn auch hier wird Sprache zerlegt, vereinfacht, neu zusammengesetzt und bis an die Grenze ihrer eigentlichen Funktion gedehnt.

Schon die ersten Sätze geben die Richtung vor: „Ich verstehe Bus.“ „Ich verstehe U-Bahn.“ „Ich verstehe Bus-Bahnhof.“ Was zunächst wie eine skurrile Fingerübung in reduzierter Sprache wirkt, entwickelt sich rasch zum Grundprinzip des gesamten Abends. Verstehen und missverstehen werden zum eigentlichen Inhalt der Produktion – oder zumindest zu dem, was man als solchen identifizieren könnte, denn genau darin liegt die Herausforderung dieses Theaterabends. Eine klassische Handlung sucht man vergeblich. Figuren tauchen auf, sprechen, wiederholen, variieren Satzfragmente, ohne dass daraus zwingend eine erkennbare narrative Struktur entsteht. Tatsächlich scheint gerade das produktive Missverständnis erklärtes Ziel der Inszenierung zu sein, doch zwischen Konzept und Publikum klafft dabei mitunter ein tiefer Graben.

Stuhler arbeitet mit Prinzipien der so genannten „Leichten Sprache“, übernimmt diese jedoch nicht konsequent, sondern verwendet sie vielmehr als ästhetisches Werkzeug, wodurch eine eigentümliche Kunstsprache entsteht, die zugleich simpel und überkomplex wirkt – als würde man versuchen, aus Legosteinen ein philosophisches Manifest zu bauen. Das besitzt stellenweise Witz, gelegentlich sogar poetischen Reiz, verliert sich jedoch über weite Strecken in sprachlicher Selbstbeschäftigung. Regisseur FX Mayr bringt diese Sprachflächen mit sichtbarer Präzision auf die Bühne und das Ensemble bewältigt die rhythmischen Wortketten mit bemerkenswerter Disziplin. Dennoch bleibt nach rund einer Stunde weniger Erkenntnis als vielmehr Erschöpfung zurück. Der Abend fordert Konzentration, Geduld und eine hohe Bereitschaft, sich auf Sprachspiele einzulassen, die sich oftmals jeder konkreten Bedeutung entziehen. Dabei entsteht durchaus ein interessanter Gedanke: Was passiert, wenn Sprache nicht mehr erklärt, sondern selbst zum Hindernis der Verständigung wird? „Leichter Gesang“ stellt diese Frage konsequent – allerdings auch so ausdauernd, dass sich irgendwann der Verdacht einschleicht, das Stück könne selbst nicht mehr genau wissen, worauf es eigentlich hinaus will.

Der österreichische Liedermacher Ludwig Hirsch sang einst davon, „mit Wörtern so herum zu jonglieren, bis sie den Verstand verlieren“. Treffender lässt sich dieser Abend kaum beschreiben. Man beobachtet fasziniert, irritiert und mitunter ratlos, wie Worte zerlegt und neu zusammengesetzt werden, bis sie jede Verbindlichkeit verloren haben. Das ist mutig, experimentell und zweifellos eigenständig – aber nicht automatisch auch zugänglich und erkenntnisreich.

Fazit: „Leichter Gesang“ ist ein Theaterabend, der sein Publikum bewusst herausfordert und vermutlich genau daran gemessen werden möchte. Wer Freude an Sprachde(kon)struktion, performativer Verwirrung und konzeptionellem Theater hat, dürfte hier fündig werden. Wer hingegen auf erzählerische Orientierung oder emotionale Anknüpfungspunkte hofft, könnte sich über weite Strecken fühlen wie nach einem besonders langen Gespräch, bei dem alle gesprochen haben, aber niemand wirklich etwas gesagt hat. Feststeht: das Vorprogramm und die Eröffnungsreden des Festivals waren deutlich leichter verdaulich – und vermutlich unfreiwillig verständlicher.

 

 

Die drei Musketiere: ein multisensorisches und inklusives Miteinander

Mit einer besonderen Adaption von Ralf Benatzkys Operette „Die drei Musketiere“ präsentierte Regisseur Georg Schütky ein ebenso humorvolles wie berührendes Musiktheatererlebnis, das bewusst für ein diverses und inklusives Publikum konzipiert wurde. Maßgeblich geprägt wurde die Produktion durch die Zusammenarbeit von Ensemblemitgliedern der Oper Graz mit den Schauspieler:innen der Theaterakademie LebensGroß.

von Patrick Zündel

Zwischen 16. und 25. April 2026 verwandelte sich die Studiobühne der Oper Graz in einen Ort gelebter Inklusion. Georg Schütky, der bereits mit seiner Inszenierung der Beggars Opera in Graz überzeugte, bringt Benatzkys Operette mit viel Gespür für Rhythmus, Humor und theatrale Feinheiten auf die Bühne. Obwohl die Handlung zu Zeiten König Ludwigs XIV angesiedelt ist, erlaubt sich die Inszenierung immer wieder augenzwinkernde Gegenwartsbezüge und bricht bewusst mit der historischen Strenge des Stoffes. Dadurch entsteht eine lebendige Mischung aus klassischem Operettencharme, musikalischer Leichtigkeit und pointierter Comedy, ohne dass der dramaturgische Kern der Geschichte verloren geht.

Im Zentrum stehen die titelgebenden drei Musketiere D’Artagnan, Aramis und Portos, die gegen die Intrigen einer machthungrigen Kardinälin kämpfen und das Wohl von Königin Anna, ihres Sohnes, König Ludwig, und des französischen Volkes verteidigen sollen. Zwischen degenblitzenden Fechtduellen, Liebeswirren und politischen Ränkespielen entfaltet sich eine temporeiche Handlung, die von der eigens adaptierten Musik Benatzkys getragen wird. Die Operette zählt zu den frühen Revuewerken des Komponisten und entstand noch vor dem berühmten „Im weißen Rößl“ in Zusammenarbeit mit Erik Charell.

Besonders beeindruckend ist jedoch weniger die Handlung selbst als vielmehr das Zusammenspiel des Ensembles: Sänger:innen der Oper Graz und Schauspieler:innen der Theaterakademie LebensGroß begegnen einander auf Augenhöhe und schaffen gemeinsam eine Bühnenrealität, in der Unterschiede keine Rolle mehr spielen. Was zunächst wie ein ambitioniertes inklusives Experiment wirken könnte, entwickelt sich rasch zu einer bemerkenswert selbstverständlichen Zusammenarbeit. Niemand wird ausgestellt, niemand wirkt wie ein Fremdkörper – vielmehr verschmelzen die unterschiedlichen künstlerischen Hintergründe zu einem harmonischen Ganzen. Gerade darin liegt die besondere Stärke der Produktion. Sie macht Inklusion nicht bloß zum Thema, sondern lebt sie sichtbar vor. Während sich Opernsänger:innen in einem traditionsreichen und leistungsorientierten Umfeld behaupten müssen, kämpfen Menschen mit Beeinträchtigungen oft noch immer um Sichtbarkeit und gleichberechtigte Teilhabe im Kulturbetrieb. Auf der Bühne jedoch verlieren diese gesellschaftlichen Zuschreibungen ihre Bedeutung. Dort zählt allein die Präsenz, die Spielfreude und das gemeinsame Erzählen.

Auch die Wahl der Studiobühne erweist sich als gelungen. Die barrierefreie Zugänglichkeit ermöglicht Menschen mit unterschiedlichsten Bedürfnissen einen unkomplizierten Theaterbesuch und unterstreicht den inklusiven Anspruch der Produktion zusätzlich. Damit wird das berühmte Motto der drei Musketiere: „Einer für alle, alle für einen“ nicht nur erzählt, sondern konsequent umgesetzt.

Fazit:
Mit „Die drei Musketiere“ gelingt der Oper Graz eine ebenso unterhaltsame wie gesellschaftlich relevante Produktion. Georg Schütky verbindet Operette, Humor und gelebte Inklusion zu einem Abend, der weit über klassische Musiktheaterunterhaltung hinausgeht. Eine Inszenierung, die zeigt, wie selbstverständlich Vielfalt auf der Bühne sein kann und hoffentlich nicht die letzte ihrer Art bleibt.

 

 

 

Leck mich am Arsch, amore mio!

„Leck mich am Arsch, amore mio!“ ist ein Theaterstück, das mutig und lustig zugleich ist. Es zeigt, dass Liebe und Sexualität für alle Menschen wichtig sind, egal ob mit oder ohne Behinderung, jung oder alt.

von Nima Valinezhad, Pascal Striedner, Armin Gruber, Melanie Schaller

Das InTaKT Festival wurde mit dem Stück „Leck mich am Arsch, amore mio“ im Schauraum vom Schauspielhaus Graz eröffnet. Das Stück ist eine Zusammenarbeit vom Schauspielhaus Graz und der Theaterakademie LebensGroß. Das Besondere: Das Stück ist als „Relaxed Performance“ angekündigt. Das bedeutet, dass das Publikum die Möglichkeit hat, Pausen zu machen und nach Belieben nach draußen zu gehen. Doch von dieser Möglichkeit machte niemand Gebrauch, denn keiner wollte einen Moment dieser schnelllebigen und unterhaltsamen Aufführung verpassen.


„Leck mich am Arsch, amore mio“ wurde vom Ensemble gemeinsam entwickelt und schließlich unter der Regie von Anja M. Wohlfahrt auf die Bühne gebracht. Die Bühne, das ist eigentlich ein Kaffeehaus, das mit vielen liebevollen Details wie kleinen Stehlampen oder köstlich aussehenden Süßigkeiten ausgestattet ist (Bühnenbild: Kathrin Eingang). Durch den Abend führt der Herr Ober (Oliver Chomik), der aber immer sehr beschäftigt ist mit seiner Arbeit und diese Geschäftigkeit den Gästen auch regelmäßig mitteilt. Dabei passieren immer wieder lustige Malheurs: die Milch flockt, Schlagobers landet auf den Gästen, die Nudelsuppe schmeckt nicht. Die selbsternannte Sexpertin Dr. Gerti Senger (Roberta Nemes) meldet sich zu Wort, wann immer es nötig erscheint, und weiß alles Wichtige über Liebe und Sex. Ebenso erscheinen Helena Käfer als Autorin, Tobias Spiegel als exzentrischer Koch und eine Damenrunde, die gerne Prosecco trinkt. Eine wichtige Rolle im Stück übernimmt Foxy Fox (Sarah Sophia Meyer), die ein besonders einprägendes Lied performt. Der Refrain lautet: „Ciao Amore mio. Das war echt damals ganz gut mit dir im Kino. Wir haben San Pellegrino getrunken. Und haben uns ziemlich gut gefunden und dann kam das Bussi auf den Mund.“ Das Lied wirkt wie ein roter Faden und betont die Wohlfühl-Atmosphäre, die das Stück mit sich bringt.


In vielen skurrilen und humorvollen Szenen werden Tabu-Themen wie Sexualität im Alter oder Sexualität für Menschen mit Behinderungen besprochen. Das Zusammenwirken des gesamten Teams ist harmonisch und das Gesagte wirkt wie aus dem echten Leben gegriffen. „Leck mich am Arsch, amore mio“ ist gesellschaftskritisch, romantisch, satirisch, dramatisch, unterhaltsam und liebevoll zugleich. Vor allem vermittelt es eine Botschaft: Nämlich die, dass alle Menschen – ob Behinderung oder nicht – geliebt werden möchten. Denn das Bedürfnis nach Zugehörigkeit und Anerkennung verbindet uns alle und macht uns als Menschen aus.

 

 

„Wir wollen gehört werden!“

Im Theaterstück „Aktion Mutante“ geht es um Mut, um Selbstbestimmung und darum, dass alle Menschen gleich behandelt werden sollen. Es ist ein starkes Stück, mit dem das InTaKT Festival am 16. November zu Ende ging.

von Melanie Schaller, Julian Lambauer

„Aktion Mutante“ ist ein inklusives Theaterstück von Angelina Schallerl und Tanja Peball. Das Stück wurde in Zusammenarbeit mit Schauspieler:innen der Chance B und dem Verein Clusi erarbeitet. Es geht um eine Gruppe von Menschen mit Behinderungen, die genug haben und Forderungen zur Selbstbestimmung und gesellschaftlichen Veränderungen stellen.
Das InTaKT Festival zeigte das Stück im Kunst Klub Kräftner. Alle Plätze waren ausverkauft. Regisseurin Angelina Schallerl stand selbst auf der Bühne, um die Rolle des kurzfristig erkrankten Schauspielers Dominik Ertl zu übernehmen. In einer Hauptrolle war auch Christina Hofer, die selbst im Rollstuhl sitzt, zu sehen.

Das Stück ist sehr besonders und wichtig. Es zeigt, welche Schwierigkeiten Menschen mit Behinderungen oft haben. Es geht um Wünsche und Probleme im Alltag, aber auch um große Fragen des Lebens, wie das Gründen einer Familie. Das Stück wirkte wie eine Geiselnahme. So bekam das Publikum eine Ahnung davon, wie es sich anfühlt, wenn man als Mensch mit Behinderungen lebt.
Außerdem werden die Themen Empowerment und Forderungen nach gesellschaftlicher Veränderung angesprochen. Empowerment bedeutet: Ein Mensch wird stark gemacht oder macht sich selbst stark. Es werden auch Stellen von Gewalt dargestellt. Das Stück ist nicht nur lustig, sondern auch ernst. Es macht deutlich, dass Menschen mit Behinderungen oft keine Entscheidungen selbst treffen können und dass die Gesellschaft mehr für ihre Rechte tun muss. Man sieht im Stück, wie viel Kraft und Mut die Menschen brauchen, um ihr Leben selbst zu bestimmen.

Das Spiel von Christina Hofer, Angelina Schallerl, Christoph Pauger und Martin Höfler ist sehr lebendig. Manchmal gibt es überraschende Momente, die die Zuschauer:innen zum Nachdenken bringen. An einer Stelle geht es darum, dass zwei Menschen miteinander intim sein wollen. Was in unserer Gesellschaft oft übersehen wird: Auch Menschen mit Behinderung wünschen sich Liebe und Nähe. Sie haben das Recht, verliebt zu sein und eine Partnerschaft zu haben. Dass Menschen mit Behinderungen die gleichen Gefühle und Wünsche haben, wie alle anderen auch, vermittelt das Ensemble mit großer Spielfreude. Großer Applaus an alle Beteiligten!

 

 

„Ungalli“ – Das Geheimnis des Zauberbaums

Das Kinderbuch „Ungalli“ erzählt von Tieren, die in einer großen Dürre nach Essen suchen. Ein besonderer Baum hat viele Früchte, aber die hängen zu hoch. Mit einem geheimen Wort, das nur der Löwe kennt, können die Früchte geholt werden. Die Geschichte zeigt, wie wichtig Geduld, Ausdauer und Zusammenhalt sind.

von Pascal Striedner, Tobias Moser, Julian Lambauer

Beim InTaKT Festival gab es eine Lesung im Graz Museum. Lena Raumbaum und Marlies Hausch lasen aus dem Kinderbuch „Ungalli“ vor. Lena Raumbaum ist eine österreichische Autorin, die schon viele Bücher geschrieben hat. Marlies Hausch ist gehörlos und unterrichtet Gebärdensprache an Schulen.
Das Besondere an der Veranstaltung war das Format: Es wurde in Lautsprache und Gebärdensprache vorgelesen. Dadurch wurden die Bilder und Stimmungen des Buches auf einzigartige Weise spürbar. Die anwesenden Kinder und Erwachsene konnten erfahren, dass es unterschiedliche Formen des Erzählens gibt und dass alle Sprachen gleich viel wert sind.

Das Buch „Ungalli“ handelt von einer bunten Herde, voll mit verschiedenen Tieren. Es geht um einen Baum, eine Gazelle, einen Elefanten und eine Schildkröte. Es gibt eine große Dürre. Das heißt: Es regnet lange nicht. Alle Tiere wollen weggehen, weil sie nichts mehr zu essen finden. Nur der Löwe bleibt. Er sitzt unter einem großen Baum. Der Baum hat viele Früchte. Diese Früchte sind lecker und machen satt. Aber sie hängen sehr hoch oben am Baum. Keines der Tiere kann sie erreichen. Nur wenn man den Namen vom Baum sagt, kommen die Äste nach unten. Das besondere Wort kennt nur der Löwe. Das Wort ist: „Ungalli“.
„Ungalli“ erzählt davon, dass wahre Stärke oft in Geduld, Ausdauer und der Kraft der Wiederholung liegt. Die Geschichte zeigt, dass nicht immer Schnelligkeit oder körperliche Überlegenheit zum Ziel führen, sondern die ruhige Beständigkeit, mit der man Schritt für Schritt weiterkommt.

Lena Raubaum machte die Lesung durch ihre Mimik erlebbar und bezog alle Zuhörer:innen mit ein. Die Zusammenarbeit mit Marlies Hausch – die die Geschichte in Gebärdensprache erzählte – ergab eine Vorstellung, die wahrlich allen gefiel! Das Publikum jubelte auf drei Arten: in Zeitlupe, in Gebärdensprache und mit wilden Gesten. Die Gebärden für „Schildkröte“ und „Gazelle“ sowie noch weitere wurden gezeigt. So konnten alle mitmachen und gemeinsam etwas lernen, egal wie viel sie schon über Gebärden wissen.
Nach der Lesung konnten die Menschen im Publikum Fragen stellen. Sie konnten auch sagen, was ihnen gefallen hat oder was sie nicht gut fanden. Jede Meinung war willkommen.

 

„Lars ist LOL“ – Ein Film über Mut und Freundschaft

Lars hat das Down-Syndrom und die anderen Kinder in der Klasse machen sich über ihn lustig. Amanda, eine Klassen-Kollegin hat Angst, dass sie selbst nicht mehr „cool“ ist, wenn sie mit Lars befreundet ist. Doch bald merkt sie, wie wichtig Freundschaft und Zusammenhalt sind. Eine Geschichte über Mut, Mobbing und was es heißt, für andere einzustehen.

von Melanie Schaller

Der Film „Lars ist LOL“ stammt aus Norwegen und spielt auch dort. Gezeigt wurde der Film beim InTaKT Festival im Rechbauerkino in Graz. Der Film „Lars ist LOL“ erzählt von einem Mädchen namens Amanda. Sie soll auf ihren neuen Klassen-Kollegen Lars aufpassen. Lars hat das Down-Syndrom und ist genau so alt wie Amanda. Menschen mit Down-Syndrom haben ein zusätzliches Chromosom. Chromosomen sind kleine „Bausteine“ in unserem Körper, die bestimmen, wie wir aussehen und wie wir uns entwickeln.

Am Anfang findet Amanda ihre neue Aufgabe doof, weil sie Angst hat, dass ihre Freunde sie auslachen. In der Schule wird Lars oft von anderen Kindern geärgert und ausgelacht. Amanda fühlt sich hin- und hergerissen, weil sie einerseits mit Lars befreundet ist, sich aber auch von ihrer eigenen Gruppe unter Druck gesetzt fühlt. Im Film geht es dann darum, wie die Kinder miteinander auskommen können. Es geht darum, dass Lars gemobbt wird. Das Mobbing passiert im Alltag mit den anderen Schülern, aber auch im Internet. Der Film zeigt gut, wie schlimm Mobbing ist und wie schwer es ist, sich richtig zu verhalten. Amanda erlebt, wie weh das Mobbing tut, nicht nur für Lars, sondern auch für sich selbst.

„Lars ist LOL“ ist ein wichtiger Film für Kinder und Jugendliche. Der Film ist spannend und zeigt, dass Menschen mit Behinderungen nicht ausgeschlossen werden sollen. Der Film hilft, besser zu verstehen, wie es Kindern mit Down-Syndrom in der Schule geht. Der Film hat einfache und klare Szenen. Er macht Mut, ehrlich zu sein und für seine Freunde einzustehen.

Singen mit Vesna Petković – ein Statement für gelebte Inklusion

Beim InTaKT Festival verwandelte sich der Salon Stolz am 15. November in eine offene Chorbühne. Menschen aller Hintergründe fanden sich unter der Leitung von Vesna Petković zum gemeinsamen Singen ein. Alter, Herkunft, musikalische Vorerfahrung oder Beeinträchtigungen spielten keinerlei Rolle. Entscheidend war alleine die Freude am Mitmachen.

von Patrick Zündel

Dass Musik eine besondere Kraft besitzt, Verbindungen zu stiften, lässt sich nicht besser formulieren als mit den oft zitierten Worten aus Joanne K. Rowlings Harry Potter-Reihe: „Musik, ein Zauber, der alles in den Schatten stellt, was wir hier so treiben.“ Diese Worte legte Rowling ihrem weisen, umsichtigen und geduldigen Schulleiter Professor Dumbledore in den Mund. Genau dieser Zauber war im inklusiven Sing-Workshop mit Vesna Petković spürbar. Musik überwand Grenzen, die im Alltag oft trennen. Zwischen geübten Stimmen und Anfänger:innen, zwischen Menschen mit und ohne Beeinträchtigung, zwischen Zurückhaltung und Mut.

Es war bereits der zweite Sing-Workshop im Rahmen des InTaKT Festivals, den Vesna Petković anleitet. Geboren wurde diese Idee aus der langjährigen Kooperation mit dem an der KUG Graz stattfindenden niederschwelligen Community Music-Format Meet4Music, dessen Facilitator-Team Petković seit 2020 angehört. Sie ist es gewohnt, Menschen zum Singen zu bewegen, die sonst selten dazu kommen. Ihre Arbeit reicht von Community-Workshops über Chorleitung bis hin zum Gesangsunterricht an der Theaterakademie Lebensgroß. Dort wie hier gelingt ihr mit natürlicher Leichtigkeit, was für viele schwierig klingt: Hemmungen abzubauen und Freude an der eigenen Stimme zu wecken. Darüber hinaus unterrichtet Vesna Petković seit mehr als zehn Jahren Jazz-Gesang an der Kunstuniversität Belgrad und ist selbst in verschiedenen Formationen als Jazzsängerin aktiv.

Die Teilnehmenden folgten Petkovićs warmherzigen Anleitungen zu Atem- und Stimmübungen, entwickelten gemeinsam musikalische Motive und arbeiteten schließlich auf eine gemeinsame Performance hin. Dabei stand weniger das perfekte Ergebnis als vielmehr der gemeinsame Prozess im Vordergrund, ein Grundgedanke von Community Music, den der Workshop eindrucksvoll verkörperte. Schon nach kurzer Zeit war die Energie im Raum greifbar. Singfreude, Neugier und der Mut, die eigene Stimme auszuprobieren, verbanden Menschen, die sich zuvor nie begegnet waren. Hier bewahrheitete sich der Eingangs zitierte Gedanke: Musik ist ein verbindendes Element. Sie schafft Gemeinschaft, wo zuvor Fremdheit war und macht sichtbar, wie inklusiv Kunst sein kann, wenn sie es will.

Fazit: Der Sing-Workshop mit Vesna Petković zeigte eindrucksvoll, wie niederschwellige musikalische Formate Menschen zusammenführen können. Der Workshop war nicht nur ein musikalisches Erlebnis, sondern auch ein starkes Statement für gelebte Inklusion. Was bleibt, ist ein Gefühl von Gemeinsamkeit und ein Funken jener Magie, die Musik möglich macht.

 

»Leck mich am Arsch, amore mio!« – ein Stück über Liebe, Körper und gelebte Inklusion

Das InTaKT Festival eröffnete mit »Leck mich am Arsch, amore mio!« im Schauspielhaus Graz. Ein humorvoller Abend mit poetischem Blick auf das Thema Liebe.

von Patrick Zündel

Das Caféhaus, ein Ort, wo Hochkultur auf Popkultur trifft, an dem Zufallsbekanntschaften sich zu Freundschaften verdichten und manchmal sogar zu Liebe. Ein Raum, in dem Geschichten entstehen, leise, laut, tragikomisch, und in dem Menschen sich begegnen. Dieses vielschichtige Setting bildet den Ausgangspunkt für das Tanzcafé Sekt und Sehnsucht, in dem sich in »Leck mich am Arsch, amore mio!« nicht nur die Welten verschiedener Figuren kreuzen, sondern auch die Extreme von Nähe, Intimität und Beziehung. Liebe und Sexualität sind hier keine abstrakten Schlagworte, sondern leben in den Charakteren fort: im geschäftigen Oberkellner, im kettenrauchenden Koch, in den liebevoll gezeichneten Gästen: von der Damenrunde über die selbsternannte Beziehungsexpertin bis hin zur renommierten Verhaltensforscherin.

Am 13. November 2025 feierte das von Regisseurin Anja M. Wohlfahrt inszenierte Stück im Schauraum des Schauspielhauses Graz Premiere, als Eröffnungsproduktion des 10. InTaKT Festivals und zugleich als Relaxed Performance. Letzteres bedeutet, das Publikum darf stehen, sitzen, sich bewegen, den Raum verlassen oder zurückkehren, spontane Reaktionen äußern – kurz: Theater erleben, ohne die normativen Erfahrungen eines klassischen Abends erfüllen zu müssen. Diese niederschwellige Form ist nicht bloß Konzept, sondern spiegelt das zentrale Thema der Produktion: gelebte Inklusion.

Neben dem Ensemble des Schauspielhauses stehen in »Leck mich am Arsch, amore mio!« auch Darstellerinnen der Theaterakademie Lebensgroß unter der Leitung von Lina Hölscher auf der Bühne. Ihre schauspielerischen Leistungen stehen jenen ihrer Kolleg:innen in nichts nach. Vielmehr entsteht ein harmonisches, energetisches Zusammenspiel, in dem Grenzen zum Verschwimmen gebracht werden. Niemand wird als Gast markiert; niemand als Ausnahme. Alle sind Teil eines Ensembles, das mit sichtbarer Freude und Präzision eine gemeinsame theatrale Realität schafft. Das wirkt erfrischend, authentisch und verleiht dem Abend zusätzlich Eindruck.

Anja M. Wohlfahrt entwickelt gemeinsam mit dem Ensemble, Expert:innen des Alltags und den Auszubildenden der Theaterakademie eine fein austarierte Komposition aus Körpern, Stimmen und Sehnsüchten. Liebe erscheint dabei als etwas Flüchtiges, beinahe Dampfwolkenhaftes, und zugleich tief eingeschrieben in unsere Körper. Das Stück stellt Fragen, die selten offen verhandelt werden: Sind Liebe und Sexualität Privilegien jener, die gesellschaftlich als makellos gelten? Oder gehören Begehren, Intimität und Körperlichkeit selbstverständlich allen Menschen, unabhängig von Normen und Zuschreibungen? Die klare Antwort der Inszenierung: Liebe ist kein exklusives Gut; Schönheit, Körperbilder und Begehren sind soziale Konstrukte und können ebenso hinterfragt wie erweitert werden.

Damit gelingt der Produktion nicht nur ein humorvoller und poetischer Blick auf das Thema Liebe, sondern auch ein wichtiger Beitrag zur Enttabuisierung von Sexualität und Beziehung im Kontext von Behinderung. »Leck mich am Arsch, amore mio!« bricht mit gängigen Vorstellungen, ohne zu belehren und berührt dabei auf eine unmittelbare, menschliche Weise.

Fazit: Ein Theaterabend, der im Gedächtnis bleibt; warmherzig, inklusiv, lebendig und zugleich gesellschaftlich relevant. Die Inszenierung zeigt, wie kraftvoll Theater sein kann, wenn es Barrieren nicht nur thematisiert, sondern konsequent abbaut. Weitere Vorstellungen finden in den kommenden Wochen statt. Die genauen Termine sind auf der Website vom Schauspielhaus Graz zu finden.