„Leck mich am Arsch, amore mio!“ ist ein Theaterstück, das mutig und lustig zugleich ist. Es zeigt, dass Liebe und Sexualität für alle Menschen wichtig sind, egal ob mit oder ohne Behinderung, jung oder alt.
von Nima Valinezhad, Pascal Striedner, Armin Gruber, Melanie Schaller
Das InTaKT Festival wurde mit dem Stück „Leck mich am Arsch, amore mio“ im Schauraum vom Schauspielhaus Graz eröffnet. Das Stück ist eine Zusammenarbeit vom Schauspielhaus Graz und der Theaterakademie LebensGroß. Das Besondere: Das Stück ist als „Relaxed Performance“ angekündigt. Das bedeutet, dass das Publikum die Möglichkeit hat, Pausen zu machen und nach Belieben nach draußen zu gehen. Doch von dieser Möglichkeit machte niemand Gebrauch, denn keiner wollte einen Moment dieser schnelllebigen und unterhaltsamen Aufführung verpassen.
„Leck mich am Arsch, amore mio“ wurde vom Ensemble gemeinsam entwickelt und schließlich unter der Regie von Anja M. Wohlfahrt auf die Bühne gebracht. Die Bühne, das ist eigentlich ein Kaffeehaus, das mit vielen liebevollen Details wie kleinen Stehlampen oder köstlich aussehenden Süßigkeiten ausgestattet ist (Bühnenbild: Kathrin Eingang). Durch den Abend führt der Herr Ober (Oliver Chomik), der aber immer sehr beschäftigt ist mit seiner Arbeit und diese Geschäftigkeit den Gästen auch regelmäßig mitteilt. Dabei passieren immer wieder lustige Malheurs: die Milch flockt, Schlagobers landet auf den Gästen, die Nudelsuppe schmeckt nicht. Die selbsternannte Sexpertin Dr. Gerti Senger (Roberta Nemes) meldet sich zu Wort, wann immer es nötig erscheint, und weiß alles Wichtige über Liebe und Sex. Ebenso erscheinen Helena Käfer als Autorin, Tobias Spiegel als exzentrischer Koch und eine Damenrunde, die gerne Prosecco trinkt. Eine wichtige Rolle im Stück übernimmt Foxy Fox (Sarah Sophia Meyer), die ein besonders einprägendes Lied performt. Der Refrain lautet: „Ciao Amore mio. Das war echt damals ganz gut mit dir im Kino. Wir haben San Pellegrino getrunken. Und haben uns ziemlich gut gefunden und dann kam das Bussi auf den Mund.“ Das Lied wirkt wie ein roter Faden und betont die Wohlfühl-Atmosphäre, die das Stück mit sich bringt.
In vielen skurrilen und humorvollen Szenen werden Tabu-Themen wie Sexualität im Alter oder Sexualität für Menschen mit Behinderungen besprochen. Das Zusammenwirken des gesamten Teams ist harmonisch und das Gesagte wirkt wie aus dem echten Leben gegriffen. „Leck mich am Arsch, amore mio“ ist gesellschaftskritisch, romantisch, satirisch, dramatisch, unterhaltsam und liebevoll zugleich. Vor allem vermittelt es eine Botschaft: Nämlich die, dass alle Menschen – ob Behinderung oder nicht – geliebt werden möchten. Denn das Bedürfnis nach Zugehörigkeit und Anerkennung verbindet uns alle und macht uns als Menschen aus.
