Beim InTaKT Festival verwandelte sich der Salon Stolz am 15. November in eine offene Chorbühne. Menschen aller Hintergründe fanden sich unter der Leitung von Vesna Petković zum gemeinsamen Singen ein. Alter, Herkunft, musikalische Vorerfahrung oder Beeinträchtigungen spielten keinerlei Rolle. Entscheidend war alleine die Freude am Mitmachen.
von Patrick Zündel
Dass Musik eine besondere Kraft besitzt, Verbindungen zu stiften, lässt sich nicht besser formulieren als mit den oft zitierten Worten aus Joanne K. Rowlings Harry Potter-Reihe: „Musik, ein Zauber, der alles in den Schatten stellt, was wir hier so treiben.“ Diese Worte legte Rowling ihrem weisen, umsichtigen und geduldigen Schulleiter Professor Dumbledore in den Mund. Genau dieser Zauber war im inklusiven Sing-Workshop mit Vesna Petković spürbar. Musik überwand Grenzen, die im Alltag oft trennen. Zwischen geübten Stimmen und Anfänger:innen, zwischen Menschen mit und ohne Beeinträchtigung, zwischen Zurückhaltung und Mut.
Es war bereits der zweite Sing-Workshop im Rahmen des InTaKT Festivals, den Vesna Petković anleitet. Geboren wurde diese Idee aus der langjährigen Kooperation mit dem an der KUG Graz stattfindenden niederschwelligen Community Music-Format Meet4Music, dessen Facilitator-Team Petković seit 2020 angehört. Sie ist es gewohnt, Menschen zum Singen zu bewegen, die sonst selten dazu kommen. Ihre Arbeit reicht von Community-Workshops über Chorleitung bis hin zum Gesangsunterricht an der Theaterakademie Lebensgroß. Dort wie hier gelingt ihr mit natürlicher Leichtigkeit, was für viele schwierig klingt: Hemmungen abzubauen und Freude an der eigenen Stimme zu wecken. Darüber hinaus unterrichtet Vesna Petković seit mehr als zehn Jahren Jazz-Gesang an der Kunstuniversität Belgrad und ist selbst in verschiedenen Formationen als Jazzsängerin aktiv.
Die Teilnehmenden folgten Petkovićs warmherzigen Anleitungen zu Atem- und Stimmübungen, entwickelten gemeinsam musikalische Motive und arbeiteten schließlich auf eine gemeinsame Performance hin. Dabei stand weniger das perfekte Ergebnis als vielmehr der gemeinsame Prozess im Vordergrund, ein Grundgedanke von Community Music, den der Workshop eindrucksvoll verkörperte. Schon nach kurzer Zeit war die Energie im Raum greifbar. Singfreude, Neugier und der Mut, die eigene Stimme auszuprobieren, verbanden Menschen, die sich zuvor nie begegnet waren. Hier bewahrheitete sich der Eingangs zitierte Gedanke: Musik ist ein verbindendes Element. Sie schafft Gemeinschaft, wo zuvor Fremdheit war und macht sichtbar, wie inklusiv Kunst sein kann, wenn sie es will.
Fazit: Der Sing-Workshop mit Vesna Petković zeigte eindrucksvoll, wie niederschwellige musikalische Formate Menschen zusammenführen können. Der Workshop war nicht nur ein musikalisches Erlebnis, sondern auch ein starkes Statement für gelebte Inklusion. Was bleibt, ist ein Gefühl von Gemeinsamkeit und ein Funken jener Magie, die Musik möglich macht.
